Empathietraining in der Bildungslandschaft

Das Empathietraining nach Jesper Juul, Helle Jensen und Yes Bertelsen bettet sich mit einem eigenen Fokus in eine breite Bildungslandschaft, die sich durch unterschiedliche Motivationen (von Profitmaximierung bis Idealismus/politischer Aktivismus) ausdifferenziert, Zielgruppen nach Alter (Kinder/Jugendlich, Erwachsene, …), nach Funktionen (Schüler*innen, Pädagog*innen, Arbeitslose, Führungspersonen, … ) und weiteren gesellschaftlichen Positionierungen (entlang von Rassismus, Hetereo-/Trans-/...Sexismus, Nationalismus, … ) sortiert. Darüber hinaus unterscheiden sich natürlich auch die Ziele und Inhalte der jeweiligen Arbeit.

Die Vision

Das Empathietraining nach Juul, Jensen und Bertelsen soll in erster Linie Kindern zugute kommen, damit sie lernen können, persönliche und soziale Verantwortung zu übernehmen. Persönliche Verantwortung übernehmen bedeutet darin, die eigenen Belange, Bedürfnisse und Überzeugungen auszudrücken und dafür einzustehen. Sozial verantwortlich zu handeln bedeutet, die Interessen und Bedürfnisse der Umwelt mit den persönlichen Belangen in Balance zu bringen. Dies sind Grundvoraussetzungen, um sich zukünftig wie auch heute den kleinen und großen Herausforderungen der Menschheit wie Kriege, soziale Schieflagen und Umweltzerstörung auf diesem Planeten widmen zu können – mit Herz und Verstand.
Ebenso sind natürlich alle Erwachsenen Ziel der Trainings, da sie es sind, die in der Lage sein müssen, den Kindern und Jugendlichen in dieser Gesellschaft und auf der ganzen Welt Empathie und Verantwortung vorzuleben, damit sie es nachleben können.

Das Kultivieren von Empathie (Freundlichkeit und die Bereitschaft wie auch Fähigkeit, das Gegenüber zu „sehen“) und Beziehungskompetenz (die Fähigkeit, persönliche und soziale Verantwortung in einer Beziehung zu übernehmen) ist vor dem geschilderten Hintergrund ein Weg, der ein gerechteres globales wie lokales Miteinander aller Lebewesen zum Ziel hat und sämtliche Herausforderungen/Differenz_ierungen auf einer persönlichen und zwischenmenschlichen Ebene einbezieht. Insofern ersetzt das Empathietraining weder Ansätze, die explizit gegen gesellschaftliche Machtverhältnisse oder Schieflagen auf struktureller Ebene arbeiten, noch solche, die auf Belange des Umweltschutzes fokussieren. Viel eher können genannte Ansätze wie auch das Empathietraining eine fruchtbare sich verstärkende Wechselwirkung miteinander eingehen, da sie auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt sind.

Besonderheiten des Empathietrainings

Das Empathietraining fokussiert besonders auf die Auswirkungen all jener Umwelteinflüsse, die in dem Moment, in dem eine Beziehung geführt wird, innerhalb der Beziehung auftauchen (können). Für dieses Bewusstsein über die momentane Situation bedarf es nicht notwendigerweise eines Wissens um die komplexen gesellschaftlichen Verhältnisse und deren Benennung – wenn dies doch auch hilfreich sein kann.
Viel eher braucht es ein konkretes persönliches Wissen darum, wie sich die eigene Persönlichkeit, die in gesellschaftlichen Verhältnissen konditioniert wurde/wird, sich in Beziehung zu anderen/einem anderen Menschen verhält und wie diese Umstände persönlich und sozial verantwortungsvoll Ausdruck bekommen können. Darin ist ebenfalls das Ziel aufgehoben, das Gegenüber in den seiner*ihrerseits persönlichen Umständen als Folge sozialer Konditionierung anzuerkennen.

Der genannte Fokus spiegelt sich in der Arbeitsweise: Es wird viel mit dem eigenen Erleben und Reflektieren von Erfahrungen gearbeitet – auf einer körperlichen, emotionalen wie auch mentalen/intellektuellen Ebene. Darüber hinaus geht es darum, bestimmte Erfahrungen in einem geschützten Rahmen zu machen, um in anderen Situationen auf sie zurück greifen zu können. Die einzelnen Elemente des Trainings entstammen dabei unterschiedlichsten alten und neuen Lehren oder Forschungsansätzen, die sich im Kern jeweils auf eine eigene Art der Entwicklung von Empathie und Bewusstsein beschäftigen.
Siehe dazu auch unter "Arbeitsweise".